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Skeptisch beim Skill, begeistert von der KI – wie passt das zusammen?

„Ich seh kein Ende des Tunnels.” Dieser Satz fiel beim KI Rockt am 6. August, mitten im Live-Test eines neuen Coaching-Skills. Der Mann, der ihn sagte, hatte mit seiner Kritik recht – und erzählte im selben Atemzug von einer ganz anderen KI-Erfahrung, die ihn begeistert hatte. Was zwischen diesen beiden Aussagen liegt, zeigt mehr über gute KI-Agenten als jede Feature-Liste.

Die Ausgangslage: ein Formular, das niemand nutzt

Der Anstoß kam aus der Praxis. Ein Unternehmen hat seit Jahren eine Projektwürdigkeitsprüfung mit elf Kriterien definiert – ein Formular, das klärt, ob ein Vorhaben ein Projekt ist oder normale Linientätigkeit. Sauber dokumentiert, seit Jahren etabliert. Und trotzdem: kaum genutzt. Manche kennen es nicht, andere empfinden es als Bequemlichkeitshürde, wieder andere starten Initiativen einfach so – ohne Projektrahmen, ohne Klarheit über Sponsor, Nutzen oder Aufwand.

Das Ergebnis: Vorhaben, die scheitern, weil ihnen von Anfang an der Rahmen fehlte.

Die Frage, die daraus entstand, war einfach: Kann eine KI hier unterstützen – nicht als Formular-Ausfüllhilfe, sondern als echter Coach?

Der Skill: kein Formular, sondern ein Dialog

Wir haben genau das gebaut und beim KI Rockt live gezeigt. Der Skill „Projektwürdigkeit” führt nicht per Checkliste durch die Bewertung, sondern per Dialog. Er stellt eine Frage, hört zu, spiegelt das Verständnis – und stellt die nächste Frage. Bewusst so eingestellt, dass er nicht entscheidet, sondern die Situation klärt.

Als Testfall diente ein intelligentes Planetengetriebe mit Predictive-Maintenance-Funktion. Der Skill fragte nach dem Delta zum Wettbewerb, nach dem Sponsor, nach Cost of Delay – der Kennzahl, die in vielen Projektbewertungen fehlt, obwohl sie oft die wichtigste ist: Was kostet ein Monat Verzögerung? In unserem Testfall: rund 200.000 Euro.

Am Ende steht eine Bewertung auf sechs KO-Kriterien und eine Würdigkeitskurve, vergleichbar über alle Projekte hinweg. Aus Bauchgefühl wird eine Zahl. Aus Zahl wird Vergleichbarkeit.

Der Moment der Wahrheit

Genau an dieser Stelle wurde es interessant. Ein Teilnehmer formulierte während der Live-Demo offen seine Skepsis gegenüber dem Skill: zu viele Fragen, kein erkennbares Ende, zu wenig sichtbarer Fortschritt für den, der den Chat tatsächlich nutzen soll.

Berechtigte Kritik. Ein System, das den Nutzer nicht mitnimmt, scheitert an der Akzeptanz – egal wie gut die Logik dahinter ist.

Im selben Gespräch berichtete er von einer ganz anderen Erfahrung: In seiner eigenen Umgebung hatte er in den vorangegangenen 14 Tagen selbst mit KI experimentiert, um ein Vorhaben auf seine Projektwürdigkeit zu prüfen – mit einem eigenen Prompt, nicht mit unserem Skill. Das Ergebnis dort: grandios, deutlich besser als erwartet. Und der entscheidende Unterschied: Statt zwei Tage durch das gesamte Unternehmen zu laufen und Kolleginnen und Kollegen um Input zu bitten, hatte eine Stunde im Dialog mit der KI gereicht.

Zwei Erfahrungen, ein Nachmittag. Skeptisch gegenüber unserem strukturierten Skill – zu Recht, an diesem Punkt seiner Entwicklung. Begeistert von dem, was KI im eigenen, freien Einsatz bereits leistet – ebenfalls zu Recht. Beides stimmt gleichzeitig, und genau das ist der Punkt.

Was das für den Aufbau von KI-Skills bedeutet

Drei Dinge nehmen wir aus dieser Session mit, die für jeden Coaching-Skill gelten, nicht nur für die Projektwürdigkeit:

Erstens: Der Nutzer muss das Ergebnis sehen, bevor er versteht, warum der Weg dorthin sich lohnt. Wir bauen den Skill deshalb so um, dass er zuerst zeigt, wie sich die Bewertung füllt – nicht erst am Ende.

Zweitens: Ein guter Skill lebt vom Wozu, nicht vom Formular. Bevor die erste Frage zur Kernkompetenz oder zum strategischen Fit gestellt wird, muss der Nutzer verstehen, welchen Wert das Projekt für Kunde und Unternehmen schafft. Diese Zusammenfassung gehört an den Anfang, nicht ans Ende.

Drittens: Ein freier Prompt und ein strukturierter Coaching-Skill lösen unterschiedliche Probleme. Wer sich selbst mit KI durch eine Bewertung tastet, bekommt Tempo und ein individuelles Ergebnis. Ein Skill wie „Projektwürdigkeit” soll etwas anderes leisten: vergleichbare Bewertungen über viele Projekte hinweg, nach denselben Kriterien. Beide Wege haben ihren Platz – aber nur, wenn der strukturierte Weg genauso wenig Geduld verlangt wie der freie.

Die eigentliche Frage

Die spannendste Erkenntnis war keine technische. Es ist die Beobachtung, dass ehrliche Kritik an einem Skill und Begeisterung für KI im selben Satz Platz haben – und dass beides ernst genommen werden muss. Wer nur mit zustimmenden Stimmen testet, baut Systeme, die in der Theorie funktionieren. Wer echte Kritik erntet, bekommt die Hinweise, die ein Skill wirklich braucht.

Wo in Ihrem Projektalltag fehlt heute die erste, ehrliche Einschätzung – und was kostet Sie das an Zeit und Fehlentscheidungen?


Praxisdialog · jeden 3. Donnerstag · nächster Termin: 20. August Im Lean-Coffee-Format bringen Sie Ihr eigenes Thema mit – auch eine Projektbewertung, bei der Sie gerade nicht weiterkommen.

Bis Donnerstag – Heinz


Quellen