agilean-Geburtsstunde

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«I was in a deep shit!»


Die Geburtsstunde von agilean.

Das erste Sprint-Result-Board für agiles Arbeiten (links), das fertige Produkt, die Kopfstütze von BMW mit dem Schutz vor Schleudertrauma (Mitte), CAD-Details auf dem Screen (rechts).

Letzte Woche bekam ich eine Whatsapp-Nachricht von einem langjährigen agilean Weggefährten, der mir schrieb: «Weißt du noch, was heute vor 13 Jahren begonnen hat?» Und ob ich es wusste. Es war ein Meilenstein, die Geburtsstunde von agilean. Es war der Start des ersten Scrum-Projekts in der Mechanikentwickung bei Johnson Controls für einen externen Kunden, für BMW. Das hat sich in unser beider Gedächtnis für immer eingebrannt.

Angefangen hatte alles für mich schon zwei Jahre früher. Ich war damals Knowledge Manager im Engineering bei Johnson Controls, einem großen Automobilzulieferer.

Zu der Zeit wurden z.B. 30% aller Autositze weltweit von Johnson Controls geliefert. Der gesamte Konzern hatte 170.000 Mitarbeiter und machte über 40 Milliarden Dollar Umsatz.

«Wissensmanagement in Projekten» war der Titel des Workshops der Firma Cogneon, der mich angesprochen hatte. So fuhr ich ins Frankenland. Zum Glück hatte ich die Beschreibung der Veranstaltung nicht aufmerksam gelesen, und befand mich dann überraschender Weise in einem eintägigen Scrum-Workshop von Boris Gloger. Boris war damals schon ein Urgestein der Scrum-Szene im deutschsprachigen Raum. So saß ich als einziger «Mechatroniker» inmitten von 29 anderen Teilnehmer aus der IT-Branche. Das war nicht verwunderlich, da Scrum aus der Softwareentwicklung kommt und für Softwareentwicklungsprojekte entwickelt worden ist.

Am Abend war ich dort einer der einzigen mit leuchtenden Augen. Ich war schlichtweg fasziniert.

Mir war klar, wenn alle 14 Tage konkrete Ergebnisse geliefert werden, verändert das die Welt. Ich hatte es oft genug erlebt, dass statt Ergebnissen nur heiße Luft geliefert wurde. Was hier funktionierte, musste auch für unser Produktmanagement einsetzbar sein.

Roland Frey, der Verfasser der WhatsApp-Nachricht vor dem Sprint-Result-Board (links), die Kopfstütze in der Entwicklung (rechts).

Bereits am nächsten Tag fing ich an, Scrum, so wie ich es verstanden habe, als agile Arbeitsweise in unserem Knowledge Management Team einzuführen. Und siehe da, nach einigen 14tägigen Sprints veränderte sich unsere Sicht auf die Welt. Wir fingen an, kontinuierlich Ergebnisse zu liefern. Nach und nach begannen sich auch benachbarte Teams wie CAD Support und Design for Six Sigma an unserer Methode zu orientieren und anzuhängen.

Natürlich gab es auch Skeptiker – übrigens bis zum heutigen Tag –, die nicht an die Wirksamkeit glauben wollten. Gerade einer von diesen kam in seiner Verzweiflung dann nach 2 Jahren doch auf mich zu, sozusagen als letzten Ausweg, weil es für das Projekt «5 nach 12» war. Er sollte als Abteilungsleiter React Kopfstützen für BMW entwickeln, deren Funktion ein etwaiges Schleudertrauma bei Auffahrunfällen verhindern sollten. Am 5. Mai 2009 fand die erste Schulung seines internationalen Teams statt. Bereits nach dem Tagestraining war es begeistert und hoch motiviert. Und nach dem ersten Sprint fing dieses ehrgeizige Team an, zu liefern. Das setzte sich Sprint für Sprint fort. Das Projekt hatte wieder Struktur und war steuerbar geworden. Nach sechs Wochen war alles unter Kontrolle.

Im anstehenden Quartalsreporting für den internationalen CEO wurde nun erstmals die agilean Vorgehensweise präsentiert. Besagter Abteilungsleiter begann mit folgenden Worten: «I was in a deep shit, but after six weeks I can now put my feet on the desk totally relaxed because everything is under control.»  Der CEO und das Management Team waren beeindruckt. In den nächsten Wochen haben wir die Methode weiter verfeinert und so das Projekt erfolgreich abgeschlossen.  Als Belohnung durfte sich das Team ihre Neuentwicklung auf der IAA in Frankfurt auf dem BMW-Stand bestaunen.

Das agil entwickelte Produkt von Innen (links), nach mehreren Sprints kommt bei der agilean Vorgehensweise die Retrospektive und dann die Celebration, das Team beim Feiern (rechts).

Scrum im Non-IT-Bereich bei Johnson Controls zu etablieren, war die Geburtsstunde von agilean. Und dass diesem Anfang ein noch immer nach 13 Jahren nachhaltiger Zauber innewohnt, hat mir diese Whatsapp-Nachricht gezeigt. Und etwas anderes ist in diesen 13 Jahren auch passiert. Es hat sich gezeigt, dass Scrum zur Steuerung von komplexen Projekten mit einem harten Endtermin nicht ausreicht. So sind die beiden Leitplanken Agile und Lean entstanden. Was es genau damit auf sich hat, erkläre ich in einem der nächsten Blogbeiträge. Sollten Sie daran interessiert sein, agilean in Ihrem Unternehmen einzusetzen, kontaktieren Sie mich gerne. Dann garantiere ich Ihnen, wie schon bei vielen anderen Projekten:  «Getting projects done – erfolgreich und gelungen.»

Heinz Erretkamps

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